Startseite

Praxis für Innere und Allgemeinmedizin

Dr. med. Arne Luitjens
Facharzt für Allgemeinmedizin
Akupunktur, Sportmedizin,
Chirotherapie, Naturheilverfahren

Dr. med. Guido Faßbender
Facharzt für Innere Medizin

hausärztliche Versorgung
Akupunktur

Dr. med. Wolfgang Klinkhart
Facharzt für Innere Medizin

hausärztliche Versorgung
Ernährungsmedizin

 


Das Reizdarm-Syndrom
Wenn Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen zum Alltag werden

Blähungen, Durchfall, Bauchkrämpfe – jeder kennt diese Beschwerden. Es sind typische Symptome bei verschiedenen Störungen der Darmfunktion. Meistens treten sie nur vorübergehend auf und sind ganz harmlos. Bestehen sie aber über einen längeren Zeitraum, so können sie nicht nur das Wohlbefinden deutlich beeinflussen, sie können dann auch Zeichen einer ernstzunehmenden organischen Erkrankung sein. Viele Menschen leiden aber auch an den genannten Beschwerden, ohne dass diesen eine fassbare organische Störung zugrunde liegt. Man spricht dann von einem sogenannten Reizdarm-Syndrom, einer sehr häufigen funktionellen Darmerkrankung. In diesem Artikel möchten wir Ihnen erläutern, was sich hinter dem Reizdarm verbirgt, und was Sie bei lästigen Blähungen, Durchfällen und Bauchschmerzen tun können.

Wie schon beschrieben, handelt es sich beim Reizdarm-Syndrom um eine funktionelle Darmerkrankung ohne Nachweis organischer oder biochemischer Störungen. Bis zu 25 % der Menschen in Mitteleuropa leiden an einem Reizdarmsyndrom. Dazu zählen aber nicht die noch häufigeren sogenannten „Befindlichkeitsstörungen“. Bei „Befindlichkeitsstörungen“ sind die Beschwerden nur leicht ausgeprägt und treten lediglich flüchtig, vor allem situativ bei Stress oder nach Ernährungsfehlern auf. Beim Reizdarm-Syndrom kann die Intensität der Symptome zwar variieren, typischerweise finden sich jedoch langanhaltende Verlaufsformen mit Beeinträchtigung der Lebensqualität. Die Übergänge sind allerdings fließend.

Oftmals sind die Beschwerden des Reizdarm-Syndroms sehr variabel, häufig finden sich aber vor allem die folgenden klassischen Symptome:

  1. Gefühl eines aufgeblähten Leibes, zum Teil mit Blähungen.
  2. Bauchschmerzen, die oft vor dem Stuhlgang auftreten und schwer lokalisierbar sind – der Stuhlgang führt hier häufig zu einer Erleichterung.
  3. Veränderung des Stuhlgangs in Bezug auf die Häufigkeit (VerstopfungDurchfall, oft auch im Wechsel) und / oder die Beschaffenheit (hart – breiig – wässrig, ebenfalls häufig wechselnd ausgeprägt). Viele Betroffene empfinden die Stuhlpassage als mühsam, vielfach ist der Stuhldrang gesteigert (auch bei normaler Beschaffenheit des Stuhls) und nicht selten besteht nach dem Stuhlgang ein Gefühl der unvollständigen Darmentleerung. Auch Schleimabgänge sind häufig. Durchfälle treten meist morgens auf, zeitweise auch unmittelbar nach einer Mahlzeit.

Die Entstehung dieser Beschwerden, die übrigens typischerweise nur tagsüber, nicht aber nachts auftreten, ist bis heute noch nicht vollständig bekannt. Einigkeit besteht darüber, dass wohl unter anderem eine „Überempfindlichkeit“ des Darmes vorliegt. Manchmal spielen auch vorübergehende bakterielle Entzündungen des Darmes eine Rolle als Auslöser. Viel häufiger sind aber psychische Faktoren beteiligt: Stress kann ganz offensichtlich die Beschwerden sowohl auslösen, als auch verschlimmern. Ein Zusammenhang mit Depressionen oder Angsterkrankungen konnte ebenfalls aufgezeigt werden. Aber auch unsere Ernährung hat Einfluss auf die Symptome. Besonders ungünstig ist die Kombination aus falscher Ernährung und Stress und Hektik bei den Mahlzeiten.

Was ist nun zu tun? Problematisch ist, dass sich hinter allen genannten Symptomen auch ernsthafte organische Erkrankungen verbergen können. Selbst Darmkrebs kann derartige Beschwerden verursachen. Deshalb müssen Ihre Beschwerden in jedem Fall abgeklärt werden. Bitte lassen Sie sich im Bedarfsfall individuell von uns beraten!

Die Therapie ist abhängig von der Diagnosestellung. Nur wenn eine eindeutige Diagnose besteht, wenn also ganz sicher ein Reizdarm-Syndrom besteht und organische Erkrankungen ausgeschlossen worden sind, ist auch eine sinnvolle Therapie möglich. Finden sich jedoch andere, organische Darmerkrankungen, so sind diese speziell zu behandeln: Spezielle Erkrankungen erfordern eine spezielle Therapie.
Handelt es sich tatsächlich um ein Reizdarm-Syndrom, so ist folgendes am Wichtigsten: Sie müssen wissen, dass Ihre Beschwerden dann zwar lästig, aber ungefährlich sind. Diese beruhigende Gewissheit führt häufig schon zu einer deutlichen Erleichterung. Die weitere Therapie ist sehr individuell. Das liegt daran, dass die Ursachen des Reizdarm-Syndroms sehr unterschiedlich sein können und zum Teil auch noch gar nicht bekannt sind. Bei der Behandlung von Krankheiten orientieren wir Ärzte uns regelmäßig an internationalen Leitlinien, die wiederum auf durch wissenschaftliche Untersuchungen gewonnenen Erkenntnissen beruhen. Leider ist gerade beim Reizdarm-Syndrom die Studienlage noch unzureichend. Deswegen können die Therapieempfehlungen von Fall zu Fall unterschiedlich ausfallen.

Im Einzelnen unterscheidet man bei der Behandlung des Reizdarms

  1. Allgemeinmaßnahmen,
  2. medikamentöse Behandlungen und
  3. psychotherapeutische Ansätze.

Die Allgemeinmaßnahmen umfassen zunächst einmal eine angepasste Ernährung. Vor allem, wenn das Reizdarm-Syndrom mit Verstopfung und Bauchschmerzen einhergeht, wird eine ballaststoffreiche Ernährung empfohlen. Es gibt zwei Arten von Ballaststoffen:

  1. sogenannte Gelbildner, wie Äpfel (Pektine), getrocknete Pflaumen und Flohsamenschalen
  2. Faserstoffe, wie Kleie, Leinsamen, Weizen, Hafer und Mais.

Leider enthalten sehr viele Obst- und Getreidesorten beide Arten von Ballaststoffen, also Gelbildner und Faserstoffe. Das ist deswegen problematisch, weil gerade bei Blähungen als führendem Symptom des Reizdarms durch Faserstoffe sogar verstärkt werden können. Hier stoßen wir also wieder auf das Problem, dass das Reizdarm-Syndrom eben keine einheitliche Krankheits-Entität darstellt. Im Zweifelsfall bleibt hier nur der Rat, verschiedene Lebensmittel einfach auszuprobieren: Prüfen Sie Ihre individuelle Verträglichkeit verschiedener Nahrungsmittel (zum Beispiel auch mit Hilfe eines Tagebuches). Es gibt keine einheitliche Diät für alle Betroffenen. Ein paar Empfehlungen kann man dennoch ganz allgemein aussprechen. Die meisten Betroffenen vertragen die folgenden Nahrungsmittel in der Regel schlecht:

– Kaffee
– Alkohol
– Milchprodukte
– rohes Obst, Zitrusfrüchte
– gebratene Speisen
– Zuckerersatzstoffe
– fettreiche Speisen.

Die genannten Nahrungsmittel sollten daher vermieden werden. Das gilt auch für faserreiche Kost, die vor allem zu einer vermehrten Gasbildung führen und hierdurch Blähungen und Bauchschmerzen verstärken kann:

– Vollkornbrot
– Müsli
– Hülsenfrüchte
– Zwiebeln

Ein weiterer wichtiger therapeutischer Ansatz ist die Bewältigung von Stress. Hierzu gehört in einem ersten Schritt, dass Sie sich bewusst machen, was Ihnen genau Stress bereitet. Wir unterscheiden soziale Stressoren (z.B. Konflikte mit dem Partner/der Partnerin, mit den Kindern oder mit Kollegen), Leistungsstressoren (z.B. Überforderung am Arbeitsplatz, Zeitdruck oder auch ein Mangel an Abwechslung) und physikalische Stressoren (z.B. Verkehrsstau, Lärmbelästigung, schlechte Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz oder in der Wohnung). Doch was kann man dagegen tun? Es gibt ganz einfache Tricks, mit denen man Stress zumindest ein bisschen entgegenwirken kann. Stehen Sie zum Beispiel einfach für einen Moment vom Schreibtisch auf, öffnen Sie das Fenster und atmen Sie ein paar Mal tief durch. Bewegen Sie sich regelmäßiger an frischer Luft. Erholen Sie sich in Ihrer Freizeit und achten Sie darauf, dass Sie nicht auch noch einem sogenannten Freizeitstress verfallen. Überprüfen Sie Ihre Ansprüche und setzen Sie Prioritäten. Neben diesen einfachen Maßnahmen sind nicht zuletzt auch verschiedene Entspannungstherapien zu empfehlen. Autogenes Training kann man erlernen! Progressive Muskelentspannung, Yoga oder auch spezielle Atemübungen werden zum Teil in Kursen der Volkshochschule oder von Ihrer Krankenkasse angeboten. Fragen Sie einmal nach – es lohnt sich.

Auch eine medikamentöse Therapie kann hilfreich sein und ist oft indiziert. Je nachdem, welches Hauptsymptom beim Reizdarm im Vordergrund steht (Verstopfung – Durchfall – Bauchschmerzen – Blähungen) kommen unterschiedliche Medikamente in Frage. Hierzu gehören Abführmittel, stopfende Medikamente, krampflösende, entblähende und Darmmuskel-entspannende Wirkstoffe. Teilweise sind sogar bestimmte pflanzliche Präparate überaus effektiv. Bei diagnostisch gesichertem Reizdarm-Syndrom und akut aufgetretenen, typischen Beschwerden reichen manchmal auch schon die guten alten Hausmittel aus, um eine Linderung zu erzielen. Eine Wärmeflasche, eine Lebwickel oder eine Tasse warmer Tee (vornehmlich Anis-Kümmel-Fenchel oder Baldrian), aber auch Atemübungen am offenen Fenster oder ein entspannender Spaziergang sind oft sehr wohltuend. Entschieden gewarnt werden muss an dieser Stelle jedoch von einer Selbstmedikation mit in der Apotheke frei verkäuflichen Medikamenten! Jede Therapie sollte nur in Absprache mit uns stattfinden, denn mit manchen Präparaten und Maßnahmen kann man auch eine Menge Schaden anrichten.

Zusammenfassend soll noch einmal festgehalten werden, dass der Ausschluss organischer Krankheiten zur Diagnose eines Reizdarm-Syndroms und zur Festlegung einer Therapie entscheidend ist. Es gilt der Grundsatz: Spezielle Erkrankungen erfordern eine spezielle Therapie. Sie haben gesehen, dass es leider keine einheitlichen Empfehlungen bei der Behandlung des Reizdarm-Syndroms gibt – die Therapie ist immer individuell und beinhaltet eine individuelle Ernährung, Stressbewältigungsmechanismen und bedarfsweise eingesetzte Medikamente. Sprechen Sie mit uns, damit wir Ihnen bei Problemen im Umgang bzw. in der Behandlung des Reizdarm-Syndroms helfen können.

zurück

Dr. med. Arne Luitjens
Dr. med. Guido Faßbender
Dr. med. Wolfgang Klinkhart

Bochumer Landstr. 345
45279 Essen

Tel.:
Fax:

0201 - 50 50 66
0201 - 50 30 52

Datenschutzrechtliche Hinweise
info@lf-hausarztpraxis-essen.de